News

Ist die Führung Ihrer Arztpraxis vorteilhafter als Einzelunternehmung oder AG? (Teil 2 von 2)

Nachfolgend werden die grössten Stolpersteine einer Umwandlung, die Erkenntnisse aus finanzieller Hinsicht sowie empfohlene Vorgehensweise einer individuellen Prüfung zusammengefasst. Für die Gegenüberstellung der individuellen Vor- und Nachteile wird auf den ersten Teil, erschienen am 26. März 2019, verwiesen.

In welcher Rechtsform soll eine Arztpraxis geführt werden? Diese Frage ist seit der Liberalisierung der gesetzlichen Grundlagen bei Treuhändern und Finanzberatern umstritten. Zwar wird nach wie vor die überwältigende Mehrheit der Arztpraxen als Einzelfirmen geführt. Doch seit anfangs 2015 hat sich die Zahl der als AG oder GmbH geführten Arztpraxen im Kanton Zürich verdoppelt. Im zweiten Teil der Serie über die Frage, ob eine Arztpraxis in der Rechtsform einer Einzelunternehmung oder einer AG geführt werden soll, werden die grössten Stolpersteine einer Umwandlung, die Erkenntnisse aus finanzieller Hinsicht sowie die empfohlene Vorgehensweise einer individuellen Prüfung zusammengefasst. Für die Gegenüberstellung der individuellen Vor- und Nachteile wird auf den ersten Teil, erschienen am 26. März 2019 (hier gehts zum 1. Teil) verwiesen.

Stolpersteine bei Umwandlung in eine Ärzte-AG

  • Die vermögensmässige Gleichstellung unter den Aktionären ist zwingend einzuhalten. Deshalb sollte ungleiche Leistung auch nur über Lohn - und nicht über die Dividende - ausgeglichen werden.
  • Bei der Umwandlung einer Einzelunternehmung in eine Aktiengesellschaft müssen sämtliche Verträge auf die AG umgeschrieben werden. Geschieht dies nicht zum richtigen Zeitpunkt, besteht allenfalls keine Versicherungsdeckung. Weiter wäre es fraglich, ob die verbuchten Aufwendungen in der Erfolgsrechnung auch als solche akzeptiert würden.
  • Für die Pensionskassenplangestaltung müssen die Grundsätze der Gleichbehandlung, Kollektivität und Planmässigkeit innerhalb der AG eingehalten werden. Dies führt beim Zusammenschluss von mehreren Ärzten in einer Ärzte-AG oftmals zu relevanten Veränderungen der bestehenden Vorsorgelösungen, weil sie in der Selbständigkeit dank den flexiblen Plangestaltungsmöglichkeiten der Verbandsvorsorgestiftungen oft individuell auf die Bedürfnisse des einzelnen Arztes ausgerichtet waren. Unter Einhaltung der eingangs erwähnten Grundsätze ist dies oftmals nicht mehr möglich. Bei einem Zusammenschluss ist somit einerseits Kompromissbereitschaft der Beteiligten erforderlich, andererseits lassen sich Nachteile im Vergleich zu einer vormals bestehenden individuellen Pensionskassenplangestaltung aber nicht verhindern. Werden die genannten Grundsätze nicht eingehalten, besteht das Risiko einer Qualifizierung als verdeckte Gewinnausschüttung.
  • Die detaillierte Prüfung der Umwandlung einer Einzelunternehmung in eine AG und der künftig möglichen Vorsorge- und Versicherungslösungen ist zwingend vor einer allfälligen Umsetzung vorzunehmen. Andernfalls könnten erhebliche Steuer- und AHV-technische Nachteile entstehen. Zudem könnte eine vormals bestehende Versicherungsdeckung nicht mehr versicherbar sein.

Finanzielles Fazit – Szenarioanalyse

Um die zahlreichen finanziellen Vor- und Nachteile der beiden Rechtsformen kostengünstig und effizient gegenüberstellen zu können, wurde ein System entwickelt, welches einen Vergleich für jegliche individuelle Situation unter Einbezug sämtlicher relevanten finanziellen Unterschiede zulässt. Mit Hilfe dieses Systems wurden 756 Szenario- und Sensitivitätsanalysen für den Kanton Zürich und die umliegenden Kantone durchgeführt. Daraus resultieren folgende Ergebnisse:

  • Die Einzelunternehmung führt in rund 62% der Kombinationsmöglichkeiten zu einem insgesamt höher verfügbaren Einkommen als die Führung der Arztpraxis unter dem Rechtskleid einer AG. In rund 38% der geprüften Szenarien stellt die AG aus rein finanzieller Optik die bessere Lösung dar.
  • Die Sensitvitätsanalyse zeigt, dass ein optimal ausgestalteter Pensionskassenplan – unabhängig der Rechtsform – zu konstant höher verfügbaren Einkommen führt, als wenn beispielsweise ein möglichst hoher Dividendenbezug vorgenommen wird.

Die nachfolgende Grafik ermöglicht es Ihnen, sich einen Überblick über die zentrale Frage zu verschaffen, ob es sich aus finanzieller Optik lohnt, eine Arzt- oder Zahnarztpraxis in der Rechtsform einer Einzelunternehmung oder AG zu führen. Sie vergleicht die Attraktivität unterschiedlicher Wohnorte und Geschäftssitze für die beiden Rechtsformen. Ist das Feld hellblau hinterlegt, macht es aus finanzieller Optik Sinn, die Führung der Arztpraxis unter der Rechtsform einer AG zu prüfen. In sämtlichen dunkelblau hinterlegten Feldern haben sich keine Resultate ergeben, in welchen die AG gegenüber der Einzelunternehmung vorteilhafter war. Wenn nicht anders erwähnt, wurde der Vergleich für den Kantonshauptort erstellt.

Lesebeispiel: Wohnt ein Arzt in Zug und führt seine Arztpraxis in Zürich, lohnt es sich in der Regel, eine AG zu gründen. Betreibt er jedoch seine Arztpraxis in Zug und wohnt in Zürich, ist die Einzelunternehmung die aus finanzieller Optik vorteilhaftere Rechtsform.

Diese Darstellung basiert auf der Annahme, dass ein optimales Vorsorge- und Steuerkonzept umgesetzt wird. Sollte dies noch nicht der Fall sein, lohnt sich eine Prüfung der finanziellen Optimierungsmöglichkeiten – auch ausserhalb der Rechtsformfrage.

Empfohlene Vorgehensweise zur individuellen Prüfung der Fragestellung:

  1. Prüfung der Ausgestaltung der eigenen Pensionskassenlösung (wird bereits ein optimales Vorsorge- und Steuerkonzept verfolgt?).
  2. Prüfung der individuellen finanziellen Vor- und Nachteile der Rechtsformen Einzelunternehmung oder AG unter Einbezug sämtlicher finanzieller Vor- und Nachteile.
  3. Prüfung der individuellen rechtlichen Vor- und Nachteile der Rechtsformen Einzelunternehmung oder AG.
  4. Prüfung der konkreten Umsetzungsmöglichkeiten anhand der bestehenden individuellen Bedürfnisse.
  5. Erstellung eines Umsetzungsplanes und Koordination der Fachgebiete sowie der damit involvierten Berater, wobei für eine Umwandlung einer Einzelunternehmung in eine AG regelmässig die nachfolgenden Berater zu koordinieren sind.

Wir hoffen, Ihnen mit diesem zweiten Teil der Serie «Rechtsform einer Arztpraxis: Einzelunternehmung oder AG?» weitere wichtige Entscheidungshilfen geliefert zu haben.

Gerne beantwortet Ihnen die neidhart rüttimann & partner ag weitergehende Fragen. Nur wer die Prüfung ganzheitlich und unabhängig vornimmt und sämtliche damit verbundenen Vor- und Nachteile kennt und korrekt miteinbezieht, hat die Gewissheit, sich von klar messbaren Fakten leiten zu lassen und erlebt nach erfolgter Umwandlung keine bösen Überraschungen.

 

Artikel als PDF herunterladen:

PDF Download

Der erste Teil zum Thema erschien Ende März

 

Autor

Mario Neidhart absolvierte eine klassische Ausbildung zum Bank­kaufmann mit Weiterbildung zum Kunden­berater. Als Financial Consultant bei einem der grössten unabhängigen Finanz­berater der Schweiz erlernte er die Finanz­planung. Später sorgte Mario studien­begleitend bei einer Kantonalbank für die nachhaltige Betreuung von vermögenden Privat­kunden. Zuletzt war er als Mandatsleiter und Leiter Fachtechnik Finanz­planung verantwortlich für den Auf- und Ausbau eines Schweizer KMU. In dieser Stelle eignete Mario sich ein umfassendes Wissen über sämtliche Finanz­bereiche an und legte einen Schwerpunkt auf die Beratung von Medizinern. Über die Jahre baute er ein Netzwerk wertvoller Partner auf. Berufs­begleitend bildete Mario sich zum Betriebs­ökonom mit Vertiefung in Banking and Finance in Zürich und London weiter (Abschluss­arbeit: «Wie wird eine Arztpraxis richtig bewertet?»). Direkt im Anschluss vertiefte er sein Praxiswissen mit dem Master of Advanced Studies in Financial Consulting (Abschluss­arbeit: «Führung der Arztpraxis im Rechtskleid der Einzelfirma oder AG?»), welcher zum CFP, dem höchsten international anerkannten Titel im Bereich Finanzplanung, führte.

mehr
weniger

Newsletter abonnieren

Kontakt

Datenschutzerklärung*
neidhart | rüttimann & partner ag
Bankstrasse 4
8400 Winterthur
Öffnungszeiten: Mo-Fr. von 06:30 - 20:00
+41 44 226 90 90
neidhart | rüttimann & partner ag
c/o Valencia Kommunikation Nueva
Klausstrasse 19
8008 Zürich
+41 44 226 90 90
neidhart | rüttimann & partner ag
Bahnhofstrasse 40
7001 Chur
Öffnungszeiten: Mo-Fr. von 06:30 – 20:00
+41 81 500 60 70

© neidhart | rüttimann & partner ag, 2017. Alle Rechte vorbehalten.